Covid-Information

Wir empfehlen das Tragen einer Maske in den Kirchen!

Dresdner Kreuzchor | Programmergänzung

Im Konzert mit dem "Dresdner Kreuzchor" am Donnerstag, 21. Juli, um 20 Uhr im Heilig-Kreuz-Münster erklangen zusätzlich zum Programm zwei Kompositionen von Chormitgliedern:

Anton Matthes (*2005)
"Verleih uns Frieden" op. 12/2
Im Gedenken an die Opfer des Russland-Ukraine-Krieges.

Karl Pohlandt (*2003)
"Vater unser im Himmelreich"
Nach dem Choral von Martin Luther.

Zugabe
Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901)
"Abendlied" aus "Drei geistliche Gesänge" op. 69,3

Interview mit Marcus Bosch

Interview mit Dirigent Marcus Bosch

Foto: Denise Krentz

5 Fragen an den Künstlerischen Leiter der Cappella Aquileia Heidenheim

  • Sie haben die Cappella Aquileia Heidenheim 2011 gegründet, 10 Jahre später, 2021, wurde das Orchester mit dem Opus Klassik, dem „Oscar der Musikszene“, ausgezeichnet. Was ist für Sie das Besondere am gemeinsamen Musizieren mit den Spitzenmusikerinnen und Spitzenmusikern aus ganz Deutschland? Worauf darf sich das Publikum in Schwäbisch Gmünd freuen?

    Das Besondere ist, dass die Cappella Aquileia aus Heidenheim von der ersten Sekunde an ein Orchester war und immer noch ist, in dem man sich sehr gut kennt, wo in einer absolut freundschaftlichen Atmosphäre „das Absolute“ und „das Mehr am Möglichen“ gesucht wird – ohne Kompromisse
  • Das heißt, Sie sind mit jedem Musiker, jeder Musikerin gut befreundet?

    Nein, das zu sagen wäre vermessen, aber die Atmosphäre ist eine nicht nur professionelle, sondern obendrein eine freundschaftliche und das ist sehr besonders.

  • Wie sind sie auf die junge Stargeigerin Eldbjorg Hemsing aus Norwegen gekommen?

    Sie ist, wie sagt man aktuell, eine „heiße Aktie“ und ich freue mich sehr, dass sie das Konzert gemeinsam mit uns spielt. Und dazu gesagt – es wird auch für uns die erste Begegnung sein.

  • Brahms und Beethoven – war für eine großartige Kombination! Wie sind Sie auf diese Kombination gekommen? Steckt dahinter eine persönliche Leidenschaft?

    Immer: Alle von mir dirigierten Programm sind auch meiner persönlichen Leidenschaft geschuldet, und ich genieße den Luxus und die Möglichkeit, nur Musik aufzuführen, die mir am Herzen liegt. Wir haben ja im Beethoven-Jahr vieles nicht machen können, daher ist dies ein nachgereichtes Geschenk zum Beethoven-Jahr und das Brahms-Violinkonzert ist auch im Zusammenhang zu sehen: Dieses Jahr ist der 125. Todestag von Johannes Brahms. In Heidenheim haben wir ein Brahmsfest gemacht mit allen vier Sinfonien und den beiden Klavierkonzerten und in Rostock mache ich das „Rostock BRAHMSt!“-Festival. Das Violinkonzert, das im Gmünder Festival erklingt, gehört natürlich zu diesem Oeuvre und ich würde sagen, für mich ist es das schönste Violinkonzert!

  • Worauf freuen Sie sich persönlich, wenn Sie an das Konzert in Schwäbisch Gmünd denken?

    Im Heilig-Kreuz-Münster habe ich ja vor über 15 Jahren mit der Jenaer Philharmonie mein Debüt beim Festival gehabt – mit der 5. Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy und der 5. Sinfonie von Anton Bruckner, beides zentrale Werke meiner Laufbahn. Insofern freue ich mich sehr, dass ich jetzt mit meinem Orchester aus der Nachbarstadt - wo ja Grenzen oft noch mehr bedeuten - (man spielt ja oft leichter in Paris, als beim Festival in der Nachbarschaft!) ,- dass diese Grenzen mit unserem Gastspiel eingerissen werden und ich mit der Cappella Aquileia, die ja inzwischen ein international wahrgenommenes Orchester ist, zum Festival eingeladen bin. Dass also diese Brücke musikalisch gebaut wird – auch zwischen den beiden Festivals - freut mich sehr!

Das Konzert mit der Cappella Aquileia und Eldbjorg Hemsing (Violine) unter der Leitung von Marcus Bosch lädt am Samstag, 30. Juli, in das Heilig-Kreuz-Münster ein. Nähere Informationen und Karten: Cappella Aquileia

Interview mit Olaf Katzer

Interview mit Ensembleleiter Olaf Katzer

Foto: privat

5 Fragen an den Gründer und Leiter des Ensembles AuditivVokal Dresden

  • Eigens für das diesjährige Festivalthema hat AuditivVokal Dresden das gleichnamige Programm "Vision Europa" entwickelt. Es lädt dazu ein, musikalische Vergegenwärtigungen kultureller Wurzeln und Möglichkeiten Europas sinnlich wie intellektuell zu erleben. Wie darf sich das Publikum in Schwäbisch Gmünd ein solch sinnliches wie intellektuelles Erlebnis vorstellen?

    Es wird ein besonderes Erlebnis durch die Vielfalt der ästhetischen Ausdrucksformen der außergewöhnlichen musikalischen Werke. Dabei werden auch performative Aspekte eine sinnliche Rolle erfüllen und ein paar historische Werke werden Ankerpunkte sein.
    Das Konzert "Vision Europa" haben wir direkt für das Kirchenmusikfestival Schwäbisch Gmünd entworfen. Wir legen dabei ein besonderes "Ohrenmerk" auf die direkte Kunst-Kommunikation, d.h. wir möchten eine Unmittelbarkeit durch Natürlichkeit und Esprit in der Realisierung der verschiedenen Werke erreichen. Ich bin überzeugt, dass angesichts der derzeitigen Herausforderungen mit einem Krieg in Europa die Aktualität der Werkinhalte einen tiefen Zugang zum Publikum öffnen werden.

  • Wir spüren, dass es oft "Berührungsängste" mit neuer Musik gibt. Sie selbst haben den Begriff "zeitgenüssliche" Vokalmusik geprägt. In welchen Genuss kommen die Hörenden und warum sind die Berührungsängste mit zeitgenössischer Musik aus Ihrer Sicht unbegründet?

    Wir schaffen es erfreulicherweise immer wieder mit unserer Begeisterung für ungewöhnliche Klangkonstellationen das Publikum in einer neuen Weise zu berühren. Dabei sind die Inhalte und die Botschaft entscheidend. Offenbar sprechen wir den Menschen ganzheitlich und nachhaltig an. Man kann sich dieser Wirkung, die nicht immer nur wohlgefühlig ist, meistens dennoch nicht entziehen und so wird der Mangel an Gewöhnlichem durch phantasiereiches Außergewöhnliches ersetzt. Das schafft ein vollumfängliches Erlebnis besonderer Art.

  • Sie haben bereits während Ihres Studiums (Musik/Psychologie) das Ensemble AuditivVokal Dresden gegründet, das seither über 120 Ur- und Erstaufführungen verzeichnen kann. Auch in Schwäbisch Gmünd erklingt eine Uraufführung. Was ist das Besondere an diesem Werk?

    Das Werk von Vladimir Rannev bildet ein ästhetisches Gegenstück zu Beethovens berühmten Schlusschor aus der IX. Sinfonie. In einer antipathetischen Art und Weise beginnt es mit einer einzelnen Stimme, die „Freude“ singt, dann setzen poco a poco immer mehr in den Gesang ein ohne je eine gewaltige Wirkung erzielen zu wollen. Immer bleibt es im zarten Gestus, wenngleich es auch mal zu einem dreifachen Forte sich aufschwingt, aber trotzdem bleiben die Sängerinnen und Sänger in einem leicht zerbrechlichen und vor allem heterogenen Klanggestus. Angesichts des russischen Angriffskrieges geht es jetzt schon unter die Haut, dass ein so warmherziger, freundlicher und friedlicher Russe wie Vladimir Rannev diesen Schiller-Text neu in einer ganz anderen Weise vertont hat. Die Vielfältigkeit der Menschen und die Erkenntnis daraus, dass wir freudevoller werden, wenn wir diese Vielfalt nicht nur akzeptieren, sondern als Gewinn betrachten, findet aus meiner Sicht einen besonderen Ausdruck. Ich denke, dass es ein Höhepunkt unseres Konzertes werden wird, auch weil es die „Vision Europa“ ganz nah erlebbar machen wird.

  • Können Sie sich an den Moment erinnern, in dem Ihre persönliche Begeisterung für aktuelle Musik geweckt wurde?

    Ja, durchaus. Als sechsjähriger Junge habe ich oft stundenlang am Klavier gesessen und mir neueste Klangverbindungen spielerisch ausgedacht, ohne je aber kompositorisch tätig werden zu wollen. Allein die improvisatorischen Klanggebungen haben mich aber in einer andere Welt gebracht, also etwas per se Romantisches. In der Schul- und Jugendchorzeit habe ich dann erste Komponisten wie Heinz-Werner Zimmermann persönlich kennen lernen dürfen, da war dann das Interesse für das heutige Komponieren und Kunstschaffen ungebrochen da.

  • Was darf für Sie bei Ihrem Besuch in Schwäbisch Gmünd nicht fehlen?

    Sicherlich das Publikum im Konzert! Denn Musik lebt durch die Begegnung mit Menschen und die besondere Atmosphäre, die entfacht wird, wenn viele Menschen andächtig einer Kunst sich erlebend widmen. Ansonsten wünsche ich mir, dass wir den Geist einer "Vision Europas" wirklich entfachen können in einer Vielfalt, die viele Menschen mit nach Hause nehmen und in die Welt dann weitertragen.

Das Konzert mit dem Ensemble AuditivVokal Dresden unter der Leitung von Olaf Katzer lädt am Mittwoch, 3. August, in die Pfarrkirche St. Franziskus ein. Nähere Informationen und Karten: AuditivVokal Dresden

Interview mit Vladimir Rannev

Interview mit Komponist Vladimir Rannev

5 Fragen an den russischen Komponisten Vladimir Rannev zur Uraufführung des Vokalstücks „An die Freude“ (Text: Friedrich Schiller)

  • Welchen Zugang haben Sie in Ihrer Komposition zur Emotion Freude, was für Mittel der kompositorischen Annäherung wurden für Sie wichtig?

    Ich interessiere mich eher für Freude als soziokulturelles Phänomen (also das Prinzipielle und das Kollektive), nicht als Emotion (das Alltägliche und das Individuelle). Freude als Utopie und Mythos. In diesem Sinne wird Freude genauso durch Manipulationen abgewertet wie andere „Traumwörter“ – Glück, Frieden, Liebe. Diese Wörter haben keine Bedeutung mehr und werden zu einem bedeutungslosen oder sogar schädlichen Sprachvirus. Schillers Ode verwandelte sich auch in einen sinnlosen Sprachvirus, dessen Schicksal Episoden schädlicher Aktionen erinnert (beispielsweise das berühmte Video der Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie in Berlin 1943 vor der Spitze der NSDAP- und Militärelite). Ähnliches sehe ich im modernen Russland, wo nicht nur einzelne Wörter („Vaterland“, „Patriotismus“), sondern ganze Schichten der nationalen Kultur Opfer propagandistischer Abwertung werden.

  • Schiller hat seine „Ode an die Freude“ später nochmals überarbeitet. Warum wählten Sie die erste Version des Textes aus dem Jahr 1785?

    Die frühe Version wurde vor der Französischen Revolution geschrieben und war die Verkörperung einer reinen Utopie, die noch nicht durch die praktischen – blutigen und keineswegs freudigen – Handlungen der Menschen kompromittiert wurde, um sie in die Realität umzusetzen.

  • Beethovens Vertonung des Schiller-Textes in der 9. Sinfonie ist eines der weltweit bekanntesten Stücke der klassischen Musik überhaupt. Welchen Einfluss hat dies auf Ihre Komposition?

    Dieser Fakt hat meine Arbeit beeinflusst – die weltbekannten Worte aus Schillers Ode rufen niemanden mehr zu irgendetwas auf, und Millionen können sich genauso schwer umschlingen wie vor zweieinhalb Jahrhunderten. Jetzt ist es nur ein Lied, dessen wirkliche symbolische Bedeutung nicht mehr ist als die Hits von ABBA oder Queen. Hohe Ideen werden hier von der dramatischen historischen Erfahrung und der Routine des Alltags zermürbt.

  • Das Konzertprogramm thematisiert Europa als Vision. Gefeiert und infrage gestellt wird Europa als Idee und Hoffnung, Hoffnung auf eine friedliche, kooperative Koexistenz von verschiedenen Staaten, verschiedenen Traditionen, auf ein längerfristiges Wachsen von Gerechtigkeit und Humanität. Was bedeutet dies für Sie, wo Sie jetzt einen Bruch zwischen Ihrem Heimatland Russland und Europa erleben? Was bedeutet dies für eine Vision von Europa?

    Für mich sind das Grundbegriffe, daher wird dieses Thema gerade im Zusammenhang mit dem von Ihnen angesprochenen Bruch zwischen Russland und Europa und dem Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, von mir sehr persönlich und scharf wahrgenommen. Vor 20 Jahren schien es mir, dass die humanistischen Prinzipien, die der europäischen Zivilisation zugrunde liegen, Russland unweigerlich in die Familie der europäischen Völker führen würden. Aber es stellte sich heraus, dass diese Prinzipien sehr zerbrechlich sind, man muss sie angesichts der Barbarei mit ihrem Kult der Stärke und Grausamkeit verteidigen. Daher muss die Gesellschaft wachsam sein und ständig prüfen, wie die Vision Europa der Realität Europa entspricht.

  • Wie stehen Sie als Menschen und als Komponist in einer bedrängenden, quälenden Gesamtsituation zu einem Ausdruck der Freude? Gibt es eine Freude, die den Härten, Lasten, der Schwere des Leidens in der wirklichen Welt standhält?

    Ich denke, dass Grundsatzfragen wieder auf der Tagesordnung stehen, so wie Ende der 60er oder um die Wende der 80er und 90er Jahre. Das versprochene Ende der Geschichte verzögert sich. Im Gegenteil, die Geschichte wird zum Werk jedes Bürgers, der sich nun täglich anstrengen muss, um sich Richtung „An die Freude“ und nicht „An das Leid“ bewegen.


Die Fragen stellte der Philosoph Dr. Friedrich Hausen.

Bewerbungen

Sie möchten sich als Ensemble/Künstler beim Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd bewerben? Schicken Sie uns Ihre Programme/Ideen mit einer Hörprobe, einem YouTube-Link etc. an kulturbuero@schwaebisch-gmuend.de.

ZUM BILD