Vorverkaufsstart verschoben

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation wird der ursprünglich geplante Vorverkaufsstart auf Freitag, 24. April 2020 verschoben. Die Reservierungen der Freundeskreis-Mitglieder bleiben bis dahin erhalten. Tickets können aber nicht beim i-Punkt abgeholt werden. Da noch nicht abzusehen ist, wie sich die Lage entwickelt, werden weitere Informationen zu gegebener Zeit über die Presse auf unserer Homepage veröffentlicht.

Unser innigster Wunsch: Bleiben Sie gesund!

Joshua Rifkin erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2020

Der US-amerikanische Dirigent, Musikforscher, Cembalist und Pianist Joshua Rifkin erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2020. Die Stadt Schwäbisch Gmünd ehrt ihn mit dieser Auszeichnung für seine großen Verdienste um die geistliche Musik. Rifkin zählt international zu den bedeutendsten Alte-Musik-Interpreten mit Schwerpunkt Johann Sebastian Bach. Sein musikalisches Interesse ist aber nicht auf Bach begrenzt: Es reicht von der frankoflämischen Vokalpolyphonie über Händel bis Strawinsky, von Monteverdi und Schütz bis Joplin. Ob Alte Musik oder Neue Musik – für Joshua Rifkin steht die historische Wahrhaftigkeit im Mittelpunkt seiner Forschung und Aufführungspraxis. Er möchte das Wesen der Dinge erfassen und mit seiner ansteckenden Leidenschaft verlebendigen. Oberbürgermeister Richard Arnold verleiht die Auszeichnung im Rahmen des Festivals Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd (15. Juli bis 9. August) am Samstag, 25. Juli, um 20 Uhr in der Augustinuskirche. Das Festkonzert gestaltet der Preisträger mit seinem weltbekannten „Bach Ensemble“. Zur Aufführung kommen die Bach-Motetten BWV 225-229. Der Kartenvorverkauf beginnt voraussichtlich am Freitag, 24. April 2020.

Joshua Rifkin, 1944 in New York geboren, hat Komposition an der Juilliard School of Music, Musikwissenschaft an der New York University, an der Universität Göttingen sowie an der Princeton University studiert. Anfang der 1960er Jahre reiste er als Student zu den Darmstädter Ferienkursen, weil ihn damals neben Bach, Schütz und dem klassischen Repertoire vor allem die Avantgarde interessierte. In Vertretung für Pierre Boulez wurde der Kompositionskurs von Karlheinz Stockhausen geleitet, den Rifkin später in New York näher kennenlernte: „In New York wie in Europa eine fantastische Zeit: Bildende Kunst, Rockmusik, Neue Musik oder die Anfänge der historischen Aufführungspraxis – überall Aufbruch und Bewegung“, blickte Rifkin 2012 in einem Interview auf diese prägende Zeit zurück. Während seiner Jahre in Göttingen, damals Sitz des Neuen Bach-Instituts, die Rifkin zum Subskribenten der Neuen Bach-Ausgabe machte, zeichnete sich seine Laufbahn als Bach-Forscher ab. 1978 gründete er in New York das „Bach Ensemble“, das ihm die Möglichkeit eröffnete, Ergebnisse seiner Forschungen klanglich umzusetzen. 1981 war Rifkin der erste Musikwissenschaftler, der glaubhaft belegte, dass die gesamte Vokalmusik Johann Sebastian Bachs (Kantaten, Messen, Passionen, Oratorien, Motetten etc.) für eine Besetzung mit Einzelstimmen gedacht und geschrieben wurde. Damit brach er radikal mit einer Interpretationstradition, die durch die romantische Vorstellung Felix Mendelssohn Bartholdys und das Ideal des 19. Jahrhunderts geprägt war. Rifkins These stieß in der musikalischen Öffentlichkeit zunächst auf Unverständnis und Ablehnung. Mit der Jahrtausendwende aber hat sich die „Rifkin-Methode“, wie sie in Japan genannt wird, zu einer fundierten Aufführungspraxis etabliert. Maßgeblich unterstützt wurde der Forschungsansatz von Rifkins Kollegen Andrew Parrott, Sigiswald Kuijken und Paul McCreesh.

Zwischen 1970 und 1982 lehrte Joshua Rifkin als Professor an der Brandeis University, als Gastdozent auch in Harvard und Yale. Seit 2003 ist er Professor für Musik, Musikwissenschaft und Musikethnologie an der Boston University. Daneben arbeitet er als Pianist, Cembalist und Dirigent mit Orchestern und Ensembles in aller Welt. Sein internationaler Erfolg lässt sich auf eine Vielzahl gefeierter Konzerte sowie mehrfach preisgekrönter Einspielungen zurückführen. 1999 wurde Joshua Rifkin die Ehrendoktorwürde der Universität Dortmund zuteil, 2013 erhielt er die Lichtenberg-Medaille als höchste Auszeichnung der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und 2014 die Ehrendoktorwürde der Musikakademie Krakau. Die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnete ihn jüngst als den „vielleicht größten Radikalen unter den Dirigenten“ – eine Bereicherung für die Musikwissenschaft und Musikpraxis.

Der Preis der Europäischen Kirchenmusik ist mit 5.000 Euro dotiert. Seit 1999 zeichnet er hochrangige Interpreten und Komponisten für wegweisende Leistungen im Bereich der Geistlichen Musik aus. Zu den bisherigen Preisträgern gehören die Komponisten Petr Eben, Sofia Gubaidulina, Klaus Huber, Arvo Pärt, Younghi Pagh-Paan, Krzysztof Penderecki, Wolfgang Rihm, John Rutter, Dieter Schnebel, Sir John Tavener und Hans Zender. Zu den Geehrten gehören ferner die Dirigenten Frieder Bernius, Marcus Creed, Eric Ericson, Hans-Christoph Rademann und Helmuth Rilling, der Organist Daniel Roth, der Kammersänger Peter Schreier, der Musikwissenschaftler, Dirigent und Komponist Clytus Gottwald, der Gregorianik-Experte Godehard Joppich und der Thomanerchor Leipzig. In diesem Jahr wird der Preis der Europäischen Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd zum 22. Mal verliehen.

 

15. Internationaler Kompositionswettbewerb Zeitgenössische Geistliche Musik

Jens Klimek gewinnt Kompositionswettbewerb

Mit dem eindringlichen Aufruf „Appell“ ist das Werk des 1984 in Magdeburg geborenen Komponisten Jens Klimek überschrieben, dem die Jury des diesjährigen Festivals Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd den 1. Preis des „15. Internationalen Kompositionswettbewerbs Zeitgenössische Geistliche Musik“ zuerkannt hat. Zum Festivalthema 2020 „Ich & Wir“ sollte eine Komposition für gemischten Chor a cappella geschaffen werden, welche sich auf das Gedicht „Gemeinsam“ von Rosa Ausländer bezieht.

Gemeinsam

Vergesset nicht
Freunde
wir reisen gemeinsam

besteigen Berge
pflücken Himbeeren
lassen uns tragen
von den vier Winden

Vergesset nicht
es ist unsre
gemeinsame Welt
die ungeteilte
ach die geteilte

die uns aufblühen läßt
die uns vernichtet
diese zerrissene
ungeteilte Erde
auf der wir
gemeinsam reisen

(Rose Ausländer (1901-1988), „Gemeinsam“, aus: Ich höre das Herz des Oleanders. Gedichte 1977-1979, 1984. Abdruck und Nutzung mit freundlicher Genehmigung der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main)


Eingereicht wurden 57 Kompositionen aus ganz Europa, Argentinien, Japan und den USA. Juroren waren Mark Andre (Komponist, Berlin), Detlef Dörner (Komponist, Stuttgart), KMD Sonntraud Engels-Benz (Direktorium Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd) und Michael Nonnenmann (Chorleiter der Christophorus-Kantorei Altensteig). Die Komposition „Appell“ von Jens Klimek erklingt als Uraufführung im ökumenischen Eröffnungsgottesdienst des Festivals am Freitag, 17. Juli, um 18.30 Uhr im Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch Gmünd.

Zur Entscheidung der Jury:
Jens Klimek hat eine klug disponierte Komposition geschaffen, die sich intensiv und musikalisch innovativ mit der Textvorlage auseinandersetzt. Statt oberflächlicher Effekte setzt das Werk auf Zurückhaltung und Detailarbeit und ist klanglich und rhythmisch raffiniert gebaut. Zusätzlich werden ideenreich außermusikalische Elemente hinzugezogen: Tagespolitische Meldungen, die von den Sängerinnen und Sängern selbst auszuwählen sind, werden rezitiert, und Steine werden aneinander gerieben und gegeneinander geklopft. So wird das Werk zu einer eindringlichen Mahnung an eine gemeinschaftliche, globale Verantwortung angesichts der Labilität und Fragilität unserer Welt. Das Werk wird voraussichtlich im Verlag Edition Peters erscheinen, bei dem Jens Klimek publiziert.

Zum Gewinner des Kompositionswettbewerbs:
Jens Klimek wurde 1984 in Magdeburg geboren. Er machte 2003 sein Abitur am Landesgymnasium für Musik Wernigerode, wo er neben den regulären Unterrichtsfächern auch in diversen musikalischen Spezialfächern ausgebildet wurde. Ferner erlangte er die Chorleiterbefähigung C1 und C2 und sang im renommierten Rundfunk-Jugendchor Wernigerode. Von 2004 bis 2010 studierte Jens Klimek an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg die Fächer Musik und Anglistik. Heute unterrichtet er am Landesgymnasium für Musik in Wernigerode in den musikalischen Spezialfächern. Neben seiner beruflichen Laufbahn leitete Jens Klimek von 2005 bis 2015 verschiedene Chor- und Orchesterformierungen und erhielt Kompositionsunterricht bei Bernhard Schneyer (Magdeburg) und Prof. Thomas Buchholz (Halle/Saale). Zahlreiche Uraufführungen und Wettbewerbserfolge belegen seitdem die kontinuierliche kompositorische Arbeit.

Preisträgerinnen und Preisträger beim Schwäbisch Gmünder Wettbewerb waren bisher: Franz Surges (1991), Erich Konstantin Reymaier (1991), Friedo Matthies (1991), Marion Bluthard (1995), Detlef Dörner (1997), Peter Wittrich (1999), Ulrich Wolf (1995, 1999), Stefan Johannes Walter (1999), Hans Schanderl (2001), Jong-Sam Kim (2001, 2003), Dieter Buwen (2003), Frank Gerhardt (2006), Gaetano Lorandi (2008), Terence Yap (2010), Dominik Susteck (2012), Günter Berger (2014), Stephan Lenz und Tilmann Jäger (2016), Otto Wanke und Patrick Walliser (2018).

Foto: Jens Klimek, privat

Bewerbungen

Sie möchten sich als Ensemble/Künstler beim Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd bewerben? Schicken Sie uns Ihre Programme/Ideen mit einer Hörprobe, einem YouTube-Link etc. an kulturbuero@schwaebisch-gmuend.de.

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