Festival Europäische Kirchenmusik

Das Festival Europäische Kirchenmusik (gegründet 1989) will die für den Menschen wesentlichen Fragen musikalisch thematisieren. Raum für Besinnung und Musik-Erleben bieten bedeutende Sakralbauten aus acht Jahrhunderten in und um Schwäbisch Gmünd.

Die programmatische Ausrichtung orientiert sich an einem jährlich wechselnden Thema und umfasst ein Repertoire vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Qualität von lokalen bis internationalen Ensembles, Spiritualität ausgehend vom Christentum in Richtung Weltreligionen und "freier" Spiritualität sowie die Einbeziehung verschiedener Kunstsparten. Mit ca. 15.000 Besuchern pro Saison erreicht das Festival eine Anziehungskraft, die weit über den süddeutschen Raum hinaus reicht.

Preis der Europäischen Kirchenmusik

Joshua Rifkin erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2020

Der US-amerikanische Dirigent, Musikforscher, Cembalist und Pianist Joshua Rifkin erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2020. Die Stadt Schwäbisch Gmünd ehrt ihn mit dieser Auszeichnung für seine großen Verdienste um die geistliche Musik. Rifkin zählt international zu den bedeutendsten Alte-Musik-Interpreten mit Schwerpunkt Johann Sebastian Bach. Sein musikalisches Interesse ist aber nicht auf Bach begrenzt: Es reicht von der frankoflämischen Vokalpolyphonie über Händel bis Strawinsky, von Monteverdi und Schütz bis Joplin. Ob Alte Musik oder Neue Musik – für Joshua Rifkin steht die historische Wahrhaftigkeit im Mittelpunkt seiner Forschung und Aufführungspraxis. Er möchte das Wesen der Dinge erfassen und mit seiner ansteckenden Leidenschaft verlebendigen. Oberbürgermeister Richard Arnold verleiht die Auszeichnung im Rahmen des Festivals Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd (15. Juli bis 9. August) am Samstag, 25. Juli, um 20 Uhr in der Augustinuskirche. Das Festkonzert gestaltet der Preisträger mit seinem weltbekannten „Bach Ensemble“. Zur Aufführung kommen die Bach-Motetten BWV 225-229. Der Kartenvorverkauf beginnt am Freitag, 27. März.

Joshua Rifkin, 1944 in New York geboren, hat Komposition an der Juilliard School of Music, Musikwissenschaft an der New York University, an der Universität Göttingen sowie an der Princeton University studiert. Anfang der 1960er Jahre reiste er als Student zu den Darmstädter Ferienkursen, weil ihn damals neben Bach, Schütz und dem klassischen Repertoire vor allem die Avantgarde interessierte. In Vertretung für Pierre Boulez wurde der Kompositionskurs von Karlheinz Stockhausen geleitet, den Rifkin später in New York näher kennenlernte: „In New York wie in Europa eine fantastische Zeit: Bildende Kunst, Rockmusik, Neue Musik oder die Anfänge der historischen Aufführungspraxis – überall Aufbruch und Bewegung“, blickte Rifkin 2012 in einem Interview auf diese prägende Zeit zurück. Während seiner Jahre in Göttingen, damals Sitz des Neuen Bach-Instituts, die Rifkin zum Subskribenten der Neuen Bach-Ausgabe machte, zeichnete sich seine Laufbahn als Bach-Forscher ab. 1978 gründete er in New York das „Bach Ensemble“, das ihm die Möglichkeit eröffnete, Ergebnisse seiner Forschungen klanglich umzusetzen. 1981 war Rifkin der erste Musikwissenschaftler, der glaubhaft belegte, dass die gesamte Vokalmusik Johann Sebastian Bachs (Kantaten, Messen, Passionen, Oratorien, Motetten etc.) für eine Besetzung mit Einzelstimmen gedacht und geschrieben wurde. Damit brach er radikal mit einer Interpretationstradition, die durch die romantische Vorstellung Felix Mendelssohn Bartholdys und das Ideal des 19. Jahrhunderts geprägt war. Rifkins These stieß in der musikalischen Öffentlichkeit zunächst auf Unverständnis und Ablehnung. Mit der Jahrtausendwende aber hat sich die „Rifkin-Methode“, wie sie in Japan genannt wird, zu einer fundierten Aufführungspraxis etabliert. Maßgeblich unterstützt wurde der Forschungsansatz von Rifkins Kollegen Andrew Parrott, Sigiswald Kuijken und Paul McCreesh.

Zwischen 1970 und 1982 lehrte Joshua Rifkin als Professor an der Brandeis University, als Gastdozent auch in Harvard und Yale. Seit 2003 ist er Professor für Musik, Musikwissenschaft und Musikethnologie an der Boston University. Daneben arbeitet er als Pianist, Cembalist und Dirigent mit Orchestern und Ensembles in aller Welt. Sein internationaler Erfolg lässt sich auf eine Vielzahl gefeierter Konzerte sowie mehrfach preisgekrönter Einspielungen zurückführen. 1999 wurde Joshua Rifkin die Ehrendoktorwürde der Universität Dortmund zuteil, 2013 erhielt er die Lichtenberg-Medaille als höchste Auszeichnung der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und 2014 die Ehrendoktorwürde der Musikakademie Krakau. Die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnete ihn jüngst als den „vielleicht größten Radikalen unter den Dirigenten“ – eine Bereicherung für die Musikwissenschaft und Musikpraxis.

Der Preis der Europäischen Kirchenmusik ist mit 5.000 Euro dotiert. Seit 1999 zeichnet er hochrangige Interpreten und Komponisten für wegweisende Leistungen im Bereich der Geistlichen Musik aus. Zu den bisherigen Preisträgern gehören die Komponisten Petr Eben, Sofia Gubaidulina, Klaus Huber, Arvo Pärt, Younghi Pagh-Paan, Krzysztof Penderecki, Wolfgang Rihm, John Rutter, Dieter Schnebel, Sir John Tavener und Hans Zender. Zu den Geehrten gehören ferner die Dirigenten Frieder Bernius, Marcus Creed, Eric Ericson, Hans-Christoph Rademann und Helmuth Rilling, der Organist Daniel Roth, der Kammersänger Peter Schreier, der Musikwissenschaftler, Dirigent und Komponist Clytus Gottwald, der Gregorianik-Experte Godehard Joppich und der Thomanerchor Leipzig. In diesem Jahr wird der Preis der Europäischen Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd zum 22. Mal verliehen.

Bildbeilage
Joshua Rifkin | Foto: Jan Kobel

EFFE-Label 2019/2020

Das Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd wurde im Februar 2019 mit dem EFFE-Label 2019/2020 der "EFA - European Festival Association" ausgezeichnet. Das EFFE-Label steht für "Europe For Festivals - Festivals For Europe", eine Initiative der Europäischen Union.

EFFE ist ein Qualitätslabel, das international Anerkennung für die exzellente Arbeit von Festivals bietet.  Die „EFA“ hat dafür drei Kriterien aufgestellt: 1. Künstlerisches Engagement und innovative Konzepte, 2. Einbeziehung der lokalen Öffentlichkeit und 3. Europäische und internationale Ausrichtung. Sir Jonathan Mills (EFA) betont, dass die Jury „beeindruckt war von der ungeheuren Qualität und Vielfalt der Festivals, die sich in der Öffentlichkeit bewusst und mit großem Eifer für die Einbeziehung aller Menschen unserer Gesellschaft und in ganz Europa einsetzen.“ Die ausgezeichneten Festivals sollen, so Jonathan Mills, „in der EFFE-Gemeinschaft gemeinsam Kunst und Künstler fördern, für Solidarität werben und offene Gespräche führen, die den interkulturellen Austausch anregen.“ Die Stadt Schwäbisch Gmünd setze sich u.a. mit dem Festival Europäische Kirchenmusik vielseitig für den europäischen Gedanken ein. Dieses Engagement zeichnete die EFA mit dem EFFE-Label aus.

Festival-Konzerte im Hörfunk

Der Südwestrundfunk zeichnete in der Saison 2019 acht Konzerte für SWR 2 auf.

Link zu den Sendeterminen


Weitere Informationen zum Sendeprogramm SWR2 unter www.swr.de.

Wir sind SWR2-Kulturpartner!

Mit der SWR2-Kulturkarte erhalten Sie beim Kauf einer Karte an der Abendkasse auf ausgewählte Konzerte jeweils 3 € Ermäßigung.
Konzerttermine 2020: 26. Juli / 30. Juli / 2. August 2020

SWR2 ist das länderübergreifende Kulturradio des Südwestrundfunks für Kulturinteressierte. SWR2 informiert über alle gesellschaftlich relevanten Bereiche: Politik und Wirtschaft, Literatur und Kunst, Wissenschaft und Bildung. Mit aufwändig produzierten Hörspielen und Features pflegt SWR2 auch große Radioformen und Radiokunst. Neben den Wortsendungen prägt anspruchsvolle Musik von Klassik bis Jazz das Programm. Die Konzerte der international renommierten Ensembles des SWR bilden dabei einen Schwerpunkt. Zusätzlich bietet der SWR2-Kulturservice mit seinen mehr als 80 Partnern und deren Veranstaltungen ein umfangreiches kulturelles Netzwerk in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

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